Stromrechnung verstehen: Musterrechnung Schritt für Schritt

Älteres Paar sitzt auf dem Sofa und prüft gemeinsam seine Stromrechnung

Zählerstände, Arbeitspreis, Abschläge und am Ende eine Nachzahlung: Die Jahresabrechnung für Strom wirkt auf den ersten Blick kompliziert. Hier gehen wir eine Musterrechnung Schritt für Schritt durch. So verstehst Du jede Zeile, erkennst Fehler und siehst, ob Du zu viel zahlst.

Zur Musterrechnung

Warum es sich lohnt, die Stromrechnung zu verstehen

Einmal im Jahr bekommst Du eine Jahresabrechnung. Sie zeigt, wie viel Strom Du tatsächlich verbraucht hast, was er gekostet hat und ob Du mit Deinen monatlichen Abschlägen zu viel oder zu wenig bezahlt hast. Wer die Rechnung lesen kann, erkennt Ablesefehler, sieht, ob er noch in der teuren Grundversorgung steckt, und weiß, ob sich ein Wechsel lohnt.

Die Musterrechnung: Das bedeuten die einzelnen Posten

So oder ähnlich ist eine typische Jahresabrechnung aufgebaut. Die Nummern führen Dich zu den Erklärungen darunter. Aufbau und Begriffe unterscheiden sich je nach Anbieter etwas.

Musterstrom GmbH
Jahresabrechnung Strom
1Kundennummer: 1234567
Tarif: Muster Strom Online 12
2Zählernummer: 1ABC0012345678  ·  MaLo-ID: 51234567890
3Abrechnungszeitraum: 01.01. bis 31.12.
4ZählerstandkWhArt
Anfangsstand 01.01.24.310abgelesen
Endstand 31.12.26.810Kundenablesung
5Verbrauch2.500
Kosten (brutto)Betrag
6Arbeitspreis: 2.500 kWh × 32,00 ct800,00 €
7Grundpreis: 12 Monate × 12,00 €144,00 €
Gesamtkosten944,00 €
8Abzüglich gezahlte Abschläge: 12 × 75,00 €− 900,00 €
9Nachzahlung44,00 €
10Neuer monatlicher Abschlag ab Februar: 79,00 €

Fiktives Beispiel mit vereinfachten Bruttopreisen. Echte Rechnungen weisen Preise oft netto aus und rechnen die Umsatzsteuer am Ende dazu.

1

Kundennummer und Tarif

Deine Kundennummer brauchst Du für jede Rückfrage und für eine Kündigung. Der Tarifname verrät, ob Du in der Grundversorgung bist: Steht dort „Grundversorgung“, „Allgemeiner Tarif“ oder „Basis“, zahlst Du wahrscheinlich zu viel.

2

Zählernummer und MaLo-ID

Die Zählernummer steht auch auf Deinem Stromzähler. Vergleiche sie mit der Rechnung, damit sicher ist, dass der richtige Zähler abgerechnet wurde. Die elfstellige MaLo-ID kennzeichnet Deinen Anschluss. Beides brauchst Du bei einem Anbieterwechsel.

3

Abrechnungszeitraum

Meist sind es zwölf Monate, aber nicht immer ein Kalenderjahr. Nach einem Umzug oder Wechsel kann der Zeitraum kürzer sein. Achte darauf, wenn Du den Verbrauch mit dem Vorjahr vergleichst.

4

Zählerstände: abgelesen oder geschätzt?

Hier steht, ob der Stand abgelesen wurde, von Dir gemeldet oder geschätzt ist. Bei einer Schätzung lohnt es sich besonders, selbst auf den Zähler zu schauen. Weicht der echte Stand deutlich ab, kannst Du eine Korrektur verlangen.

5

Verbrauch

Endstand minus Anfangsstand ergibt Deinen Verbrauch in Kilowattstunden. Rechne kurz nach. Diesen Wert brauchst Du auch für den Stromvergleich.

6

Arbeitspreis

Der Preis pro Kilowattstunde, multipliziert mit Deinem Verbrauch. Prüfe, ob er dem Preis in Deinem Vertrag entspricht. Gab es während des Jahres eine Preisänderung, siehst Du hier mehrere Zeilen mit verschiedenen Zeiträumen. Mehr dazu im Beitrag zum Arbeitspreis.

7

Grundpreis

Der feste Betrag, den Du unabhängig vom Verbrauch zahlst. Bei manchen Anbietern stehen die Kosten für den Zähler separat daneben. Mehr dazu im Beitrag zum Grundpreis.

8

Gezahlte Abschläge

Alle monatlichen Vorauszahlungen werden von den Gesamtkosten abgezogen. Prüfe anhand Deiner Kontoauszüge, ob wirklich alle Zahlungen angerechnet wurden. Ein Neukundenbonus wird oft ebenfalls hier verrechnet.

9

Nachzahlung oder Guthaben

Hast Du mehr verbraucht, als bei den Abschlägen angenommen, musst Du nachzahlen. Hast Du weniger verbraucht, bekommst Du ein Guthaben, das der Anbieter auszahlen oder vollständig mit dem nächsten Abschlag verrechnen muss.

10

Neuer Abschlag

Auf Basis Deines Verbrauchs legt der Anbieter den Abschlag für das nächste Jahr fest. Im Beispiel steigt er von 75 € auf 79 €. Passt er nicht zu Deinem erwarteten Verbrauch, kannst Du eine Anpassung beantragen.

Das muss außerdem auf Deiner Rechnung stehen

Stromanbieter müssen auf der Jahresabrechnung weitere Angaben machen, die Dir beim Einordnen helfen. Dazu gehören:

  • Vergleich mit dem Vorjahr: Wie hat sich Dein Verbrauch verändert? Ein starker Anstieg kann auf ein defektes Gerät oder einen Ablesefehler hindeuten.
  • Vergleich mit anderen Haushalten: Oft als kleine Grafik, die zeigt, wo Du im Vergleich zu ähnlichen Haushalten liegst.
  • Preisbestandteile: Wie hoch Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen sind. Was dahintersteckt, erklärt der Ratgeber Strompreiszusammensetzung.
  • Stromkennzeichnung: Aus welchen Quellen Dein Anbieter seinen Strom bezieht. Mehr dazu unter Stromherkunft und Ökostrom-Siegel.
  • Vertragsdaten und Hinweise: Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist, Kontaktdaten für Beschwerden und der Hinweis auf die Schlichtungsstelle Energie.

In 5 Minuten die Rechnung prüfen

  • Stimmt die Zählernummer mit Deinem Zähler überein?
  • Sind die Zählerstände abgelesen oder geschätzt, und passen sie?
  • Entsprechen Arbeits- und Grundpreis Deinem Vertrag?
  • Wurden alle Abschläge und ein zugesagter Bonus angerechnet?
  • Passt der neue Abschlag zu Deinem erwarteten Verbrauch?

Hohe Nachzahlung: Was Du jetzt tun kannst

Eine Nachzahlung ist ärgerlich, aber nicht immer ein Fehler. Häufige Gründe sind ein zu niedrig angesetzter Abschlag, ein gestiegener Verbrauch, etwa durch Homeoffice oder ein neues Gerät, eine Preiserhöhung im Laufe des Jahres oder ein weggefallener Bonus. So gehst Du vor:

  1. Rechnung prüfen: Geh die Checkliste oben durch. Vor allem geschätzte Zählerstände und nicht angerechnete Abschläge sind typische Fehlerquellen.
  2. Fehler schriftlich melden: Findest Du einen Fehler, widersprich in Textform beim Anbieter und leg ein Foto vom Zähler bei.
  3. Ratenzahlung vereinbaren: Stimmt die Rechnung, kannst Du den Anbieter um eine Ratenzahlung bitten. Viele stimmen dem zu. Melde Dich früh, bevor Mahnungen kommen.
  4. Hilfe holen: Kommst Du mit dem Anbieter nicht weiter, helfen die Verbraucherzentrale oder die Schlichtungsstelle Energie.
  5. Für die Zukunft vorbeugen: Passe den Abschlag an und prüfe, ob ein günstigerer Tarif möglich ist. Hat der Anbieter die Preise erhöht, hast Du ein Sonderkündigungsrecht.
Schon vor der nächsten Abrechnung wissen, was kommt? Mit unserem Nachzahlungsrechner gibst Du Deinen aktuellen Zählerstand ein und siehst, ob eine Nachzahlung oder ein Guthaben zu erwarten ist.

Rechnung zur Hand? Jetzt vergleichen

Mit Deinem Jahresverbrauch von der Rechnung siehst Du in wenigen Minuten, ob ein anderer Tarif günstiger ist.

Zum Vergleichsrechner

* Bei einem Abschluss über unseren Rechner erhalten wir eine Provision. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. So arbeiten wir

Häufige Fragen zur Stromrechnung

Wann bekomme ich meine Stromrechnung?
In der Regel einmal im Jahr, einige Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums. Nach einem Anbieterwechsel oder Umzug bekommst Du vom alten Anbieter eine Schlussrechnung. Viele Anbieter bieten auf Wunsch auch monatliche oder quartalsweise Abrechnungen an, zum Beispiel mit Smart Meter.
Was bedeutet ein geschätzter Zählerstand?
Wurde der Zähler nicht abgelesen und hast Du keinen Stand gemeldet, schätzt der Anbieter Deinen Verbrauch anhand früherer Werte. Lies den Zähler selbst ab und vergleiche. Liegt der echte Stand deutlich daneben, melde ihn mit Foto und bitte um eine korrigierte Rechnung.
Woran erkenne ich, ob ich in der Grundversorgung bin?
Schau auf den Tarifnamen. Steht dort „Grundversorgung“, „Allgemeiner Tarif“ oder ein Name mit „Basis“, bist Du meist in der Grundversorgung. Sie ist mit zwei Wochen Frist kündbar und in der Regel deutlich teurer als frei wählbare Tarife.
Warum ist meine Nachzahlung so hoch?
Meist war der Abschlag zu niedrig angesetzt, der Verbrauch ist gestiegen, die Preise wurden erhöht oder ein Bonus ist weggefallen. Prüfe Zählerstände und angerechnete Abschläge. Stimmt alles, kannst Du um eine Ratenzahlung bitten und den Abschlag für das nächste Jahr anpassen.
Wie lange muss ich alte Stromrechnungen aufbewahren?
Für Privatpersonen gibt es keine feste Pflicht. Sinnvoll ist es, Rechnungen mindestens so lange aufzuheben, bis Du sicher bist, dass alles korrekt abgerechnet wurde. Viele behalten sie drei Jahre, weil Forderungen meist nach dieser Zeit verjähren.

Das wird Dich auch interessieren