Wer Waschmaschine, E-Auto oder Wärmepumpe dann laufen lässt, wenn viel Wind- und Sonnenstrom im Netz ist, kann mit einem dynamischen Stromtarif Geld sparen. Er bringt aber auch Risiken mit. Hier erfährst Du, wie dynamische Tarife funktionieren und ob einer zu Dir passt.
Was ist ein dynamischer Stromtarif?
Bei einem klassischen Stromvertrag zahlst Du rund um die Uhr denselben Arbeitspreis pro Kilowattstunde, egal ob mittags, nachts oder am Wochenende.
Ein dynamischer Tarif funktioniert anders. Der Preis folgt der Strombörse, genauer dem Day-Ahead-Markt, und wechselt je nach Anbieter stündlich oder im Viertelstundentakt. Du zahlst also, was der Strom an der Börse gerade kostet, plus Steuern, Abgaben, Netzentgelte und die Marge des Anbieters. Seit 2025 muss jeder Stromlieferant Kundinnen und Kunden mit intelligentem Messsystem einen solchen Tarif anbieten (§ 41a EnWG).
Warum der Preis über den Tag schwankt
Der Börsenpreis entsteht aus Angebot und Nachfrage. Weil immer mehr Wind- und Solaranlagen am Netz sind, schwankt das Angebot stark. Ein typischer Tag sieht ungefähr so aus:
So kann sich der Strompreis an einem Tag verändern
Vereinfachtes Beispiel, keine echten Preise
Scheint mittags die Sonne oder wehen nachts kräftige Winde, ist viel günstiger Strom da, und die Nachfrage ist oft niedrig. Die Börsenpreise sinken dann und rutschen manchmal sogar unter null. Für Dich heißt das: In diesen Stunden zahlst Du fast nur noch die festen Bestandteile wie Steuern, Abgaben und Netzentgelte.
Anders ist es in den Spitzenzeiten, etwa morgens zwischen 7 und 9 Uhr oder abends zwischen 17 und 19 Uhr. Herrscht dann noch Flaute und scheint keine Sonne, müssen teure Gas- oder Kohlekraftwerke einspringen, und die Preise steigen spürbar. Wie stark die Kurve ausschlägt, hängt vom Wetter und der Jahreszeit ab. Im Winter sind die günstigen Mittagsstunden weniger ausgeprägt als im Sommer.
Das brauchst Du dafür: ein Smart Meter
Ein alter Ferraris-Zähler mit Drehscheibe reicht nicht aus, und auch ein digitaler Zähler ohne Kommunikationsmodul (eine moderne Messeinrichtung) genügt nicht. Damit der Anbieter weiß, wann Du wie viel Strom verbrauchst, brauchst Du ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Es besteht aus einem digitalen Zähler und einem Gateway, das Deine Verbrauchswerte viertelstundengenau übermittelt.
Hast Du noch keins, kannst Du den Einbau bei Deinem Messstellenbetreiber beantragen, meist ist das der örtliche Netzbetreiber. Er muss den Einbau grundsätzlich innerhalb von vier Monaten vornehmen. Für einen freiwilligen Einbau darf er einmalig bis zu 100 € verlangen, der laufende Betrieb kostet einen normalen Haushalt höchstens 30 € im Jahr, gegebenenfalls zuzüglich eines Zusatzentgelts. Diese Kosten solltest Du in Deine Rechnung einbeziehen.
Doppelt sparen mit Wärmepumpe oder Wallbox
Wer eine Wärmepumpe oder Wallbox nach § 14a EnWG beim Netzbetreiber anmeldet, bekommt reduzierte Netzentgelte. Mit einem Smart Meter ist auch ein Modell mit zeitabhängigen Netzentgelten möglich, die zu bestimmten Tageszeiten besonders günstig sind. Kombiniert mit einem dynamischen Tarif lässt sich so an zwei Stellen sparen.
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Für wen lohnt sich ein dynamischer Tarif?
Ein dynamischer Tarif ist kein Selbstläufer. Er lohnt sich vor allem, wenn Du große Verbraucher hast, deren Laufzeit Du verschieben kannst:
Lohnt sich meist
- E-Auto mit eigener Wallbox: nachts oder mittags laden
- Wärmepumpe mit Pufferspeicher: Wärme in günstigen Stunden erzeugen
- Batteriespeicher: in günstigen Stunden mit Netzstrom laden
- Automatische Steuerung: Geräte, die per App oder Energiemanager starten
Lohnt sich eher nicht
- Kleine Wohnung ohne große Verbraucher: wenig zu verschieben
- Verbrauch vor allem abends: genau dann ist Strom oft teuer
- Wunsch nach festen Kosten: keine Preisgarantie möglich
- Kein Smart Meter in Sicht: ohne geht es nicht
Rechenbeispiel: E-Auto zu Hause laden
Ein E-Auto mit rund 12.000 km im Jahr braucht etwa 2.000 bis 2.500 kWh Ladestrom. Lädst Du überwiegend in günstigen Stunden und zahlst dort im Schnitt 8 Cent pro kWh weniger als mit einem festen Tarif, sparst Du bei 2.500 kWh rund 200 € im Jahr.
Die Annahme von 8 Cent ist ein Beispielwert. Wie groß der Unterschied tatsächlich ist, hängt vom Anbieter, vom Jahr und davon ab, wie konsequent Du günstige Stunden nutzt. Ziehe außerdem die Kosten für das Smart Meter ab.
Weniger lohnt es sich, wenn Du in einer Mietwohnung ohne E-Auto wohnst und nur Waschmaschine und Geschirrspüler verschieben kannst. Dann ist die Ersparnis meist gering, und der Aufwand, Waschgänge nach Börsenpreisen zu planen, steht oft nicht im Verhältnis dazu.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Sparpotenzial: Du kannst günstige Stunden gezielt nutzen, zum Beispiel nachts oder mittags. | Preisrisiko: Bei hohen Börsenpreisen, etwa an windstillen Winterabenden, steigt auch Deine Rechnung. |
| Transparenz: Du siehst Deinen Verbrauch und die Preise in der App. | Umdenken nötig: Große Verbraucher müssen aktiv in günstige Zeiten verlegt werden. |
| Energiewende: Du verlagerst Verbrauch in Zeiten mit viel grünem Strom. | Messentgelt: Für das Smart Meter fällt ein jährliches Entgelt an. |
| Flexibilität: Viele Anbieter lassen eine monatliche Kündigung zu. | Keine Preisgarantie: Du kannst nicht langfristig mit festen Kosten planen. |
Fazit: Lohnt sich ein dynamischer Tarif?
Wenn Du große Verbraucher wie E-Auto oder Wärmepumpe flexibel steuern kannst und bereit bist, Dich mit den Preisen zu beschäftigen oder die Steuerung einer App zu überlassen, kann sich ein dynamischer Tarif lohnen. Ob er bei Dir günstiger ist als ein Festpreis, hängt von Deinem Verbrauchsprofil ab. Wenn Du feste Kosten und Planungssicherheit möchtest, bist Du mit einem klassischen Tarif mit Preisgarantie weiter besser beraten.
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Dynamische Stromtarife im Video erklärt
Häufige Fragen zu dynamischen Stromtarifen
Braucht man für einen dynamischen Stromtarif zwingend ein Smart Meter?
Ja. Für dynamische Stromtarife brauchst Du ein intelligentes Messsystem (Smart Meter), weil nur damit Dein Verbrauch viertelstundengenau erfasst und abgerechnet werden kann. Ein digitaler Zähler ohne Kommunikationsmodul reicht nicht.
Kann der Strompreis bei dynamischen Tarifen auch negativ werden?
An der Börse ja: Bei viel Wind und Sonne und geringer Nachfrage kann der Preis unter null fallen. Dein Endpreis enthält aber feste Bestandteile wie Steuern, Abgaben und Netzentgelte. Für Dich heißt das meist nur, dass der Strom in diesen Stunden besonders günstig ist.
Bin ich bei hohen Börsenpreisen geschützt?
Nein, Du trägst das Preisrisiko der Strombörse. In Zeiten von Engpässen zahlst Du mehr. Viele Anbieter lassen eine monatliche Kündigung zu, damit Du flexibel reagieren kannst. Prüfe das vor dem Abschluss in den Vertragsbedingungen.
Muss ich bei einem dynamischen Tarif Angst vor extremen Kosten haben?
Bei extremen Marktlagen, etwa einer lang anhaltenden Dunkelflaute im Winter, können die Preise hoch sein. Übers Jahr gerechnet kann ein dynamischer Tarif günstiger als ein Festpreis sein, muss es aber nicht. Das hängt davon ab, wie viel Strom Du in günstigen Stunden verbrauchst. Rechne mit Deinem eigenen Verbrauchsprofil nach.
Wie erfahre ich die aktuellen Strompreise für den nächsten Tag?
Die Preise für den Folgetag stehen nach der Day-Ahead-Auktion am Vortag fest, meist gegen Mittag. Dein Anbieter zeigt sie Dir dann in seiner App, sodass Du den nächsten Tag im Voraus planen kannst.
Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif auch mit einer eigenen PV-Anlage?
Das kann sich lohnen, vor allem mit E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher. In den Wintermonaten, in denen die Photovoltaikanlage wenig liefert, kannst Du E-Auto oder Speicher in günstigen Stunden mit Netzstrom laden. Im Sommer nutzt Du tagsüber ohnehin vor allem Deinen eigenen Solarstrom.
Wie bekomme ich ein Smart Meter für einen dynamischen Tarif?
Frag bei Deinem Messstellenbetreiber nach, meist ist das der Netzbetreiber. Er muss den Einbau grundsätzlich innerhalb von vier Monaten vornehmen. Für den freiwilligen Einbau darf er einmalig bis zu 100 € verlangen, der laufende Betrieb kostet einen normalen Haushalt höchstens 30 € im Jahr, gegebenenfalls zuzüglich eines Zusatzentgelts.
